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GR325ExprLyrik - Jakob van Hoddis Weltende Dem Brger fliegt...

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Jakob van Hoddis Weltende Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, In allen Lüften hallt es wie Geschrei. Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei, Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut. Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken. Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken. The End of the World From the pointed head of the burgher flies the hat, In all the gentle breezes there is echo like a shrieking outcry. Roofers fall headlong from rooftops and break in two, And on the coasts – one reads – the floodwaters are rising. The storm is here, wild seas hop Onto land, in order to squash the swollen levees. Most everybody has the sniffles. Railways are falling from the bridges.
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Alfred Lichtenstein (1889 - 1914) Die Dämmerung Ein dicker Junge spielt mit einem Teich. Der Wind hat sich in einem Baum gefangen. Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich, 5 Als wäre ihm die Schminke ausgegangen. Auf lange Krücken schief herabgebückt Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme. Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt. Ein Pferdchen stolpert über eine Dame. 10 An einem Fenster klebt ein fetter Mann. Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen. Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an. Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.
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Nebel Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört. Blutlose Bäume lösen sich in Rauch. Und Schatten schweben, wo man Schreie hört. Brennende Biester schwinden hin wie Hauch. Gefangne Fliegen sind die Gaslaternen. Und jede flackert, daß sie noch entrinne. Doch seitlich lauert glimmend hoch in Fernen Der giftge Mond, die fette Nebelspinne. Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen, Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht. Und stechen stumm die weißen Elendsaugen Wie Spieße in die aufgeschwollne Nacht. aus: Alfred Lichtenstein, Die Dämmerung (Gedichte) , 1913
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Ernst Stadler “Form ist Wollust” Form und Riegel mußten erst zerspringen, Welt durch aufgeschlossne Röhren dringen: Form ist Wollust, Friede, himmlisches Genügen, doch mich reißt es, Ackerschollen umzupflügen. Form will mich verschnüren und verengen, doch ich will mein Sein in alle Weiten drängen ― Form ist klare Härte ohn’ Erbarmen, doch mich treibt es zu den Dumpfen, zu den Armen, und in grenzenlosem Michverschenken will mich Leben mit Erfüllung tränken. „Form ist Lust“ Form and key-bolts first had to explode, force the world through opened pipes: Form is lust, peace, heavenly contentment, yet I am compelled to plow up acres of soil. Form wants to tie me up and close me in, but I want to push my Being into wide open spaces everywhere ― Form is clear harshness without compassion, yet I am driven to the dim-witted, to the poor, and in boundless making-a-present-of-myself life wants to imbue me with fulfillment.
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Ernst Stadler: “In der Frühe” Die Silhouette deines Leibs steht in der Frühe dunkel vor dem trü- ben Licht Der zugehangnen Jalousien. Ich fühl, im Bette liegend, hostiengleich
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This note was uploaded on 02/15/2012 for the course GR 325 taught by Professor Gregorydivers during the Spring '12 term at MO St. Louis.

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