Dass hierfür aussergewöhnliche voraussetzungen

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dass hierfür aussergewöhnliche Voraussetzungen, besondere Umstände, Eingebung, Offenbarung und so weiter nötig seien. Wenn wir allerdings diese Vorstellung vom Menschen unter- suchen, so sehen wir sofort, dass sie aus einer Ansammlung von Merkmalen besteht, die nicht einem einzelnen Menschen eigen sind, sondern einer gewissen Anzahl wirklicher oder imaginärer Individuen. Einem solchen Menschen begegnen wir nie im wirk- lichen Leben, weder in der Gegenwart noch als historischer Gestalt in der Vergangenheit. Denn jeder Mensch hat seine Schwächen, und schauen Sie genau hin, so zerfällt das Trugbild der Grosse und Macht. Das Interessanteste ist freilich nicht, dass die Leute andere Menschen mit diesem Trugbild behängen, sondern dass sie es aufgrund einer Eigentümlichkeit ihrer Psyche, wenn nicht m seiner Gesamtheit, so doch teilweise, als Spiegelung auf sich selbst übertragen. Und auch wenn sie beinahe Nullen sind, sie bilden sich ein, jenem Kollektivbild zu entsprechen oder nicht weit davon entfernt zu sein. Doch wenn ein Mensch gegen sich selbst aufrichtig zu sein versteht - nicht aufrichtig, wie das Wort gewöhnlich verstanden wird, sondern schonungslos aufrichtig - dann wird er sich bei der Frage: «Was sind Sie?» auf keine beruhigende Antwort verlas- sen. Ohne daher abzuwarten, dass Sie von sich aus der Erfah- 54,
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